Frauenbundesliga: Saison soll im September beendet werden

(Thomas Marschner)

Es hat lange gedauert und war eigentlich jedem klar, aber erst heute war es so weit: die zentralen Endrunden der Schachbundesliga und der Frauenbundesliga in Berlin sind aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt worden. Warum hat das so lange gedauert, obwohl eigentlich schon lange klar war, dass kaum ein Verein aufgrund der Reisebeschränkungen eine komplette Mannschaft würde stellen können? Die Antwort ist recht einfach: es ging ums Geld, nämlich um die Stornokosten für das Hotel. Hinter den Kulissen wurde heftig gerungen, aber erst das verbindliche Verbot durch den Berliner Senat die Runde auszurichten schuf Klarheit, nämlich dass keine Stornokosten ans Berliner Maritim-pro-Arte-Hotel fällig werden.

Was passiert jetzt mit der Saison? Bei den Herren gab es schon eine Entscheidung für die 2. Ligen und die Oberligen, nämlich dass aus der Saison 2019/20 eine Saison 2019/21 gemacht wird und die Saison damit mit einem Jahr Verspätung beendet wird. Das heißt aber, dass es bei noch ausstehenden 1-2 Runden im kommenden Jahr nicht viel Schach für die Spieler dieser Klassen geben wird. Es ist davon auszugehen, dass diese Regelung wohl oder übel von den Landesverbänden übernommen werden muss, da man ja ansonsten nicht so richtig weiß, wohin mit den Meistern der obersten Ligen der einzelnen Verbände, da ja die Oberligen keine Aufsteiger aufnehmen, und das schlägt dann natürlich bis unten durch. Also heißt das: im nächsten Jahr gibt es vielleicht 2 Mannschaftskämpfe oder weniger für jeden. Gefragt wurden die Landesverbände offenbar nicht vorher, wie man den ein oder anderen Veröffentlichungen entnehmen kann.

Etwas merkwürdig ist, dass sich die oberste Liga, nämlich die Schachbundesliga, bisher in Schweigen hüllt, wie es weitergehen soll. Aber das hat sicher auch mit der bis heute ungeklärten Situation um die zentralen Runden in Berlin zu tun. Ich gehe mal davon aus, dass die DSB-Entscheidung mit großer Sicherheit mit den Vertretern der Schachbundesliga abgesprochen wurde (und vielleicht sogar von dort getrieben wurde), hier sind nämlich erst 8 von 15 Runden gespielt. Ein bis zwei Runden in 2. Liga und Oberliga hätte man sicherlich dieses Jahr noch unterbringen können, vorausgesetzt die Reisebeschränkungen werden irgendwann im Herbst aufgehoben, aber 7 Runden Bundesliga sind eine andere Geschichte. Daher rechne ich mal damit, dass demnächst die Entscheidung fallen wird, die Saison der Schachbundesliga ebenfalls um ein Jahr zu verlängern.

25.04.2020: Hierzu gibt es ein Update vom Abend des 24.04.2020: der DSB hat seine Entscheidung über die Saisonverlängerung um 1 Jahr zurückgenommen und die Entscheidungsgewalt mehr oder weniger an die Schachbundesliga e.V. weitergegeben, die für den 10. Mai eine Videokonferenz einberufen hat. Da dort aber noch 7 Runden zu spielen sind, (siehe oben – das ist de facto bis sagen wir mal Anfang Oktober kaum möglich) denke ich mal, dass es am Ende doch auf die Saisonverlängerung hinauslaufen wird. Dann kann man aber den “schwarzen Peter”, warum es ein Jahr lang fast kein Turnierschach in den unteren Klassen gibt, wohlgemut der Schachbundesliga zuschieben.

Wie sieht es aber jetzt bei den Damen aus? Hier hat man anders entschieden, und, wie ich finde, eine für alle Seiten gute Entscheidung getroffen. Die Saison soll nämlich, wenn möglich, noch dieses Jahr zu Ende gespielt werden. Die letzten 3 Runden der Frauenbundesliga sollen zum bisher geplanten Termin der ersten beiden Runden der kommenden Saison, nämlich vom 25.-27. September gespielt werden, und zwar in Deizisau, Baden-Baden und Rodewisch (das sind dann jeweils 4 Mannschaften mit 24 Spielerinnen und einer Handvoll Betreuer an einem Ort, also überschaubar). Sollte es Ende August so aussehen, dass es innerhalb Europas noch massive Reisebeschränkungen gibt, kann noch auf einen Termin im Dezember ausgewichen werden. Und wenn das auch nicht klappt, kann man immer noch die Saison in eine Saison 2019/21 umwandeln und die letzten 3 Runden in 2021 spielen.

Die Haller Damen in Lehrte – jetzt soll es im September weitergehen.

Warum ist die Situation bei den Damen eine andere als bei den Herren? Nun ja, 3 Runden können an einem Wochenende gespielt werden, 7 wie in der Schachbundesliga nicht. Und die 2. Ligen der Damen haben die Saison bereits beendet, die Aufsteiger in die Bundesliga stehen mit Hemer, Löberitz und Kisschess aus Bad Kissingen schon fest, und die Regionalligen mit nur 4 Spielerinnen pro Mannschaft haben höchstens noch eine Runde zu spielen.

Das wird natürlich dazu führen, dass die nächste Saison dann sehr eng getaktet sein wird, da sie ja dann, weil man noch eine gewisse Melde- und Wechselfrist lassen muss, frühestens im November oder Dezember gestartet werden kann. Aber ich denke mal, nach Monaten des Online-Schachs wird jeder froh sein, so oft wie möglich an einem echten Brett dem Gegner (bzw. der Gegnerin) gegenüber sitzen zu dürfen.

Hier die heutige Mail von FBL-Spielleiter Roland Katz im Wortlaut:

Liebe Mannschaftsführerin!
Lieber Mannschaftsführer!
 
Ich hatte mir meine Premieren-Saison als Turnierleiter der Frauenbundesliga mit Sicherheit auch anders vorgestellt. Aber jeder Einzelne von uns ist definitiv nicht für diese Ereignisse verantwortlich, mit denen wir jetzt zurecht kommen müssen. Und ich muss da jetzt auch durch.
Aus bekannten Gründen konnte bisher nichts schriftlich kommuniziert werden, was die Zentrale Endrunde in Berlin vom 30.4.-2.5.2020 betrifft. Es fanden zwischenzeitlich aber zahlreiche Telefonate statt und nun ist auch die verbindliche Entscheidung des Senats von Berlin ergangen, dass unsere Zentrale Runde nicht stattfinden darf. Leider war es nicht früher möglich, meinerseits diese Aussage zu treffen. Ich hoffe auf Euer Verständnis – mein langes “Schweigen” ist nicht aus Faulheit oder Unentschlossenheit geschehen. Es ging allein um die Vermeidung von Stornokosten. 
Nach Rücksprache mit Rainer Polzin vom ausrichtenden Verein SF Berlin muss sich kein Verein direkt mit dem Maritim-Hotel in Verbindung setzen. Die Stornierung der Verträge erfolgt zentral durch die SF Berlin. 
 
Was nun?
Es gab viele Gespräche zwischen dem Frauen-Referenten des DSB und mir, es gab eine Telefonkonferenz mit dem DSB zum Thema “Frauenbundesliga” und es wurde über zahlreiche Modelle intensiv diskutiert. Bei all diesen Gesprächen stand das Wohl unserer Spielerinnen und der Vereine im Vordergrund und ich bin mir sehr sicher, dass genau diese Einstellung auch bei Euch so vorhanden ist. 
 
Nach Abwägung aller Argumente haben wir die Absicht, die Saison 2019/20 sportlich zu beenden, Meister und Absteiger zu ermitteln und mit einem späteren Beginn die Saison 2020/21 zu starten. 
 
Dies soll wie folgt ablaufen:
 
1. Die Runden 10 und 11 werden am 26. und 27.9.2020 dezentral mit jeweils 24 Spielerinnen durchgeführt. Dies ist der ursprüngliche Termin der Runden 1 und 2 der neuen Saison 2020/21.
 
    Gastgeber sind
    – OSG Baden-Baden
    – Schachfreunde Deizisau
    – Rodewischer Schachmiezen
 
    Die konkreten Ansetzungen sind im Turnierheft sowie im Ergebnisdienst des DSB ersichtlich.
 
2. Die Runde 9 (Duell der Reisepartner) soll möglichst am 25.9.2020 ebenfalls am unter 1. aufgeführten Ort absolviert werden. Als Option kann bei Einigung der Reisepartner die Runde 9 auch
    vorverlegt werden.
    Eine Mitteilung über diesen ggf. anderen Termin benötige ich rechtzeitig, um die Schiedsrichterplanung vorzunehmen.
 
3. Sollten bis zum 20.8.2020 verbindliche Anzeichen bezüglich eines Veranstaltungsverbotes oder massiver europäischer Reisebeschränkungen für Ende September vorliegen, werden diese 3 Runden
    auf einen anderen Termin (bis spätestens Dezember  2020) verlegt.
 
4. Als Spielberechtigung gilt die aktuelle Meldeliste vom August 2019.
 
5. Die neue Saison 2020/21 beginnt nach Abschluss der laufenden Saison und einer notwendigen Pause für die Spielplanerstellung, Mannschaftsmeldung usw. Eine entsprechende
    Ausnahmeregelung zur DSB-Turnierordnung muss noch abgeklärt werden. Bei der konkreten Terminplanung werden wir sicher darauf zu achten haben, welche Termine seitens der FIDE und der ECU
    blockiert werden.
 
Liebe Schachfreunde, die im Herrenbereich praktizierte Streckung der Saison 2019/20 auf 2019/21 ist dort sicher plausibel. Die Schach-Bundesliga hat noch 7 ausstehende Runden, ein Auf- und Abstieg kann nicht realisiert werden. Das dehnt sich auf die 2. Bundesliga und ggf. die Oberligen aus. Die Konsequenz ist, dass quasi 1 Jahr lang keine Schachwettkämpfe stattfinden werden und erst im Frühjahr 2021 sämtliche Entscheidungen fallen. 
Im Frauenbereich gibt es eine andere Situation. Die Staffeln der 2. Bundesliga haben ihre Punktspiele abgeschlossen; die Aufsteiger zur FBL stehen fest.  In den Regionalligen steht nur noch eine Runde aus. Die Frauenbundesliga hat noch die bereits erwähnten 3 finalen Runden offen. Eine spielfreie Zeit bis zum nächsten Frühjahr würde aus meiner Sicht besonders für die vielen jungen Spielerinnen einen Einschnitt in ihrer Entwicklung bedeuten. 
 
Diese Option bliebe uns immer noch erhalten, wenn seitens der Politik und der Gesundheitsbehörden eine Durchführung von Schachwettkämpfen im Jahr 2020 generell untersagt werden würde.
 
Mit optimistischen 64 Grüßen
 
Roland Katz
Turnierleiter
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