Lufthansa sorgt für Reisechaos

Es waren geschäftige Tage für den Mannschaftskapitän und Reisemanager des SK Schwäbisch Hall Gregor Krenedics, nachdem am Montag nur wenige Tage vor der zentralen Endrunde der Frauenbundesliga die Lufthansa den nächsten Streik ihres Kabinenpersonals bekanntgab und damit dafür sorgte, dass die Lufthansa ihr 100-jähriges Jubiläum am Frankfurter Flughafen im Beisein der deutschen Politprominenz weitgehend ohne eigene Flugzeuge in der Luft feierte.

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags streikt die Lufthansa jetzt schon seit einer Woche mit kurzer Wochenend-Unterbrechung, und nach den Worten des Vorstandschefs im FAZ-Interview („Lieber einige Tage mit einem streikbedingt reduzierten Angebot der Lufthansa-Gruppe als irgendwann dauerhaft mit einer deutlich reduzierten Kernmarke.“) und der sofortigen Entlassung aller Mitarbeiter der Lufthansa City Line Tochter ist eine weitere Eskalation wahrscheinlich. Doch darum soll es hier nicht gehen.

Da alle vorgesehenen Spielerinnen für die letzten drei Runden auf Lufthansa Flügen gebucht waren, ging es darum, andere Verkehrsmittel oder Fluggesellschaften ausfindig zu machen. Dazu fiel kurzfristig noch eine Spielerin erkrankt aus, doch das war dieses Mal tatsächlich das geringste Problem. Ekaterina Atalik sprang kurzfristig ein, und damit reisten gleich drei Spielerinnen aus Frankreich gemeinsam mit der Bahn von Paris aus an, und die Deutsche Bahn, ja auch häufig unzuverlässig, wollte es dieses Mal offenbar der fliegenden Konkurrenz zeigen. Auf die Minute pünktlich lief der ICE aus Paris in den Frankfurter Hauptbahnhof ein. Dass ich die Deutsche Bahn mal als „verlässliches Verkehrsmittel“ bezeichne, hätte ich auch nicht gedacht.

Reisegruppe aus Frankreich

Bei der Anreise der nächsten beiden Spielerinnen Lela Javakhishvili und Nino Batsiashvili aus Tiflis zeigte die Lufthansa eindrucksvoll, wie wenig sie die aktuelle Situation im Griff hat. Beide Spielerinnen erschienen frühzeitig am Tifliser Flughafen, um ihren auf Turkish Airlines umgebuchten Flug zu erreichen. Doch die Lufthansa hatte zwar das Ticket umgebucht, aber völlig außer Acht gelassen, dass es angebracht wäre, in dem Flieger auch einen Sitzplatz zu buchen, und das war nicht der Fall. Also sah es erstmal so aus, dass es mit der Anreise aus Georgien nichts wird. Dann aber die Überraschung: Der Mitarbeiter am Schalter wies darauf hin, dass der ursprüngliche Lufthansa-Flug von Tiflis nach München doch stattfindet, und wenn beide sich beeilen, diesen auch noch erreichen könnten. Gesagt, getan, Ergebnis: Beide erreichten den nur zur Hälfte besetzten Lufthansa Flug, und sogar der Anschlussflug München-Frankfurt fand statt, sodass beide planmäßig am späten Vormittag in Frankfurt landeten. Offenbar wusste die Lufthansa selber nur wenig über die eigenen verbleibenden Flugverbindungen, und auch viele Flugreisende hatten offenbar keine Informationen über die Durchführung des Flugs.

Die Tifliser Reisegruppe nach erfolgreicher Ankunft bei einer Shopping-Pause im Main-Taunus-Zentrum

Nicht anders erging es Irina Bulmaga, die aus Bukarest anreiste. Hier fiel der gebuchte Flug nach Frankfurt wirklich aus, und auf dem eigentlich umgebuchten Flug über Wien hatte die Lufthansa ebenfalls vergessen, einen Sitzplatz zu reservieren, und das Flugzeug war halt voll. Wer weiß, vielleicht sollte das vom Ryan Air Chef mehrfach angeregte Stehplatzkonzept ausgetestet werden. Glücklicherweise gab es auch hier eine Lösung, allerdings mit einem Flug, der 6 Stunden später über Amsterdam ging.

Irina Bulmaga kam als letzte an, daher gab es direkt in Frankfurt „Frankfurter Tapas“

Die Inkompetenz, die die Lufthansa bewies, ist schon beeindruckend. Die Airline ist, nachdem man sich nach Corona im letzten Jahr hinsichtlich Service und Zuverlässigkeit wieder ganz gut berappelt hatte, ist man jetzt auf dem Weg, das Premium-Etikett, das die Lufthansa lange Jahre hatte, endgültig loszuwerden. Los ging es schon im letzten Herbst, als man die Stammkundschaft mit dem Debakel beim Wechsel der Bank für die Lufthansa-Kreditkarte von der DKB zur Deutschen Bank nachhaltig verärgerte, was sogar in FAZ und Handelsblatt ausführlich thematisiert wurde, und jetzt kommen die nicht enden wollenden Streikwellen dazu.

Dementsprechend beachtlich war es, dass Betreuerteam und Spielerinnen alle bis spätestens 21:00 im in den letzten Jahren schon häufig besuchten Bad Königshofener Restaurant Schlundhaus auf ein letztes Glas Wein des Abends eingetroffen waren, bevor es ins nah gelegene Hotel ging.

Jetzt muss eigentlich nur noch Schach gespielt werden (Link). Los geht es am Freitag um 15:00 gegen Deizisau, am Samstag um 14:00 gegen Harksheide und am Sonntag um 9:00 gegen Hamburg, bevor dann am Sonntagabend das Abenteuer „Rückreise“ beginnt.

Bad Königshofen vor dem Schlundhaus
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