Frauenbundesliga: Schwäbisch Hall schlägt Baden-Baden

In der Frauenbundesliga hat der SK Schwäbisch Hall einen großen Schritt in Richtung vierter Meisterschaft gemacht. Gegen die OSG Baden-Baden gab es einen 4,5-1,5 Sieg. Damit führt man jetzt die Tabelle allein und verlustpunktfrei vor Baden-Baden an, der Tabellendritte Hamburg ist bereits 4 Punkte zurück. In den letzten drei Runden Mitte April in Bad Königshofen gilt es, den Vorsprung gegen Deizisau, Harksheide und vor allem gegen den Angstgegner und Tabellendritten Hamburg ins Ziel zu bringen.

Vor dem Spitzenspiel zwischen Schwäbisch Hall und Baden-Baden spielten am Samstag zunächst Schwäbisch Hall gegen Freiburg-Zähringen und Baden-Baden gegen Deizisau. Der Verein Freiburg-Zähringen ist ein echter deutscher Traditionsverein. Der Verein wurde bereits 1887 gegründet, und die Vereinsvorsitzende Barbara Hund war vor Jahrzehnten eine der besten deutschen Spielerinnen, sie nahm an unzähligen Schacholympiaden teil, wovon auch im Zähringer Vereinslokal viele Fotos mit Schachgrößen der Vergangenheit zeugen.

IM Zoya Schleining (Deizisau)-WGM Barbara Hund mit Schachlegenden im Hintergrund

Schwäbisch Hall, in Bestbesetzung mit der 1 bis 6 der Meldeliste angetreten, gab sich keine Blöße und gewann mit 6-0. Das erste Mal in dieser Saison war Nino Batsiashvili am Start, frisch gebackene Europameisterin im Schnellschach. Gegen Freiburg hatte nur Bela Khotenashvili einige Probleme zu gewinnen. Ihre Gegnerin Johanna Ehmann verteidigte trotz ihrer über 400 Punkte geringeren Elo ihr Endspiel hervorragend, ließ aber kurz vor Schluss eine Remisabwicklung aus und verlor am Ende im Turmendspiel.

Lennart Naumann, Schwäbsich Hall Jungtalent, bei der Analyse mit Deimante Cornette und Nino Batsiashvili

Baden-Baden gewann gegen Deizisau mit 4,5-1,5. Herauszuheben hier der einzige Deizisauer Sieg von Nationalspielerin Hanna Marie Klek gegen Europameisterin Teodora Injac. Eine weitere deutsche Nationalspielerin Josefine Sarfali in Baden-Badener Reihen bekam gegen die Polin Katarzyna Dwilewicz eine Eröffnungsvariante aufs Brett, auf die sie nach eigener Aussage 4 Jahre gewartet hatte und gewann nach zwischenzeitlichem Opfer zweier Figuren, siehe hier ihre Kommentierung in ihrem Youtube-Kanal.

Dann kam es am Sonntag zum Gipfeltreffen zwischen Schwäbisch Hall und Baden-Baden. Beide Mannschaften änderten ihre Mannschaft nicht gegenüber dem Vortag. Die Schwäbisch Haller Verantwortlichen waren etwas überrascht, dass Baden-Baden nicht stärker aufgestellt war, aber Verfügbarkeit der besten Spielerinnen ist gerade bei den Spitzenteams immer ein Thema. Gerade an den hinteren Brettern war Schwäbisch Hall relativ klar favorisiert. Schon nach der Eröffnung war klar, dass die Begegnung viel spannender werden würde als beim letzten Aufeinandertreffen in der letzten Runde der Vorsaison, als es für beide um nichts mehr ging und folgerichtig am Ende ein ereignisloses 3-3 stand.

An Brett 1 trafen mit Teodora Injac (Baden-Baden) und Meri Arabidze (Schwäbisch Hall) die amtierende Europameisterin und ihre direkte Vorgängerin aufeinander. Die Serbin in Baden-Badener Reihen machte aus der Eröffnung heraus mächtig Druck, und Meri Arabidze konnte die Stellung nur mit großer Mühe zusammenhalten. Gerade in der Zeitnotphase ging der Vorteil bei hochkomplizierter Stellung und geringer Bedenkzeit hin und her, und nachdem sich der Rauch nach der Zeitkontrolle bei Zug 40 verzogen hatte, hatte Arabidze sogar Vorteil, der sich aber in der Folge verflüchtigte, sodass am Ende ein leistungsgerechtes Remis stand. Schon zuvor hatte Bela Khotenashvili eine ganz starke Partie gegen Josefine Sarfali gewonnen und Schwäbisch Hall in Führung gebracht. Auch diese Partie kommentiert die deutsche Nationalspielerin wieder auf ihrem sehr empfehlenswerten Youtube-Kanal – sie beschränkt sich hier nicht nur auf ihre Gewinnpartien.

Der Sieg von Khotenashvili war auch deswegen wichtig, weil es zu diesem Zeitpunkt an Brett 6 bei Irina Bulmaga gegen Iamze Tammert für Schwäbisch Hall überhaupt nicht gut aussah. Bulmaga kam gut aus der Eröffnung und hatte großen Vorteil, fand aber nicht die richtige Fortsetzung und stand plötzlich mit einem Bauern weniger und gegnerischem Läuferpaar mit dem Rücken zur Wand. Als sie dann noch die Dame für Turm und Leichtfigur geben musste, schwanden die Hoffnungen auf Zählbares zunehmend. Doch dann ließ sich Iamze Tammert die Dame einfangen, und am Ende hatte Irina Bulmaga plötzlich ein Endspiel mit Mehrbauer und eine Gewinnstellung, die sie dann souverän verwertete. Dieser Sieg war die Vorentscheidung, stand doch auch Deimante Cornette klar besser gegen Anna Zatonskih, und Nino Batsiashvili (gegen die zweite deutsche Nationalspielerin in Baden-Badener Reihen Dinara Wagner) und Lela Javakhishvili (gegen Mai Narva aus Estland) hatten ausgeglichene Endspiele auf dem Brett. Am Ende endeten dann auch beide Endspiele mit Remis, und Deimante Cornette gewann ihre Partie, sodass am Ende ein doch recht deutlicher 4,5-1,5 Sieg stand, bei dem Schwäbisch Hall insbesondere die Elo-Überlegenheit an den hinteren Brettern ausspielte.

Die weiteren Partien gibt es ebenso im Youtube-Kanal von Josefine Sarfali.

Damit hat Schwäbisch Hall natürlich hervorragende Chancen, im Jubiläumsjahr (der Verein wird 2026 90 Jahre alt) den vierten Meistertitel zu holen. Die Entscheidung fällt bei der zentralen Endrunde in Bad Königshofen, dort spielen alle Mannschaften der Frauenbundesliga ab dem 17. April die letzten drei Runden gemeinsam aus.

Im sonntäglichen Parallelspiel gab es eine dicke Überraschung, Aufsteiger Freiburg mit vier neuen Spielerinnen im Vergleich zum Samstag schlug Deizisau mit 4-2 und schöpft mit jetzt 6 Punkten Hoffnung im Abstiegskampf. Die Siegpunkte wurden an den hinteren Brettern gemacht, nachdem Sarah Hund gegen die Italienerin Elina Sedina durch Zeitüberschreitung gewinnen konnte, als es ihr gelungen war, ihre ziemlich hoffnungslose Stellung immer mehr zu verkomplizieren. Entscheidend war am Ende die Partie an Brett 6, die die Schweizerin Gilda Marta Thode gegen das 11-jährige Deizisauer Nachwuchstalent Olivia Lukas gewinnen konnte, und das ebenfalls aus Verluststellung. Hier war besonders die Zeiteinteilung der Freiburger Spielerin interessant. Ab etwas Zug 20 machte sie quasi jeden Zug mit nur noch 2s auf der Uhr (nach jedem Zug bekommt man ja wieder eine Zeitgutschrift von 30s), und nach der Zeitkontrolle bei Zug 40, nachdem man ja nochmals 30 Minuten extra bekommt, brauchte sie nur zwei eigene Züge, um die Zeit ebenfalls wieder bis auf wenige Sekunden ablaufen zu lassen.

Meri Arabidze und Teodora Injac bei der Post-Mortem Analyse

Viele unerwartete Ergebnisse gab es auch an den anderen Spielorten. Chemnitz schlug ein stark aufgestelltes Harksheide mit 3,5-2,5. Den Sack zu machte Anna Czäczine am Spitzenbrett mit ihrem Sieg gegen Julia Antolak, am Sonntag legte die Chemnitzerin mit einem Sieg gegen Sarah Papp nach, konnte aber die Niederlage gegen Hamburg nicht verhindern. Solingen, bisher eher eine der Enttäuschungen der Saison, schlug am Samstag überraschend Meister Bad Königshofen, nur um einen Tag später mit 1-5 gegen Rodewisch unterzugehen. Harksheide gewann am Sonntag wenigstens noch gegen Kreuzberg. Damit sieht es jetzt am Tabellenende für Kreuzberg und Hemer schlecht aus, aber wer der dritte Absteiger wird, ist noch völlig offen, und Hemer schaffte ja schon in der Vorsaison buchstäblich in letzter Sekunde noch den Klassenerhalt.

Bilder vom Samstag

Bilder vom Sonntag

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