
Nur drei Wochen nach der letzten Doppelrunde findet die nächste Doppelrunde der Schach-Frauenbundesliga statt. Für die Schwäbisch Haller Damen gibt es eine Premiere: Das erste Mal geht es nach Freiburg zum Aufsteiger SK Freiburg-Zähringen. Reisepartner der Freiburger ist kein Geringerer als der Rekordmeister und Topfavorit OSG Baden-Baden, und zum Gipfeltreffen zwischen den beiden punktgleich die Tabelle der Frauenbundesliga anführenden Topteams aus Baden-Baden und Schwäbisch Hall kommt es am Sonntagmorgen ab 9:00. Nachdem der Tabellendritte und Titelverteidiger Bad Königshofen schon 3 Punkte Rückstand auf beide Topteams hat, ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass der Sieger des Aufeinandertreffens auch der neue deutsche Meister sein wird, auch wenn danach noch drei Runden zu spielen sind mit durchaus knackigen Gegnern für beide Teams. Spannend wird die Anreise der Spielerinnen, soeben wurde der nächste Lufthansa-Streik für Donnerstag und Freitag angekündigt.

Zunächst müssen beide Mannschaften aber am Samstag ihre Pflichtaufgaben lösen. Schwäbisch Hall spielt gegen die Gastgeberinnen, die sich natürlich freuen, ausgerechnet das Topduell der beiden nominell stärksten Mannschaften der Liga ausrichten zu dürfen. Freiburg hat bereits 4 Punkte gesammelt, darunter einen überraschenden Sieg gegen Solingen, ist aber Elo-mäßig vergleichbar mit den Mitaufsteigern Chemnitz und Kreuzberg einzuschätzen, gegen die man jeweils 6-0 gewann. Bekannteste Spielerinnen bei Freiburg sind Barbara Hund, lange Zeit ein der besten deutschen Spielerinnen, und ihre Tochter Sarah. Beide starten inzwischen für die Schweiz. Gleichzeitig spielt Baden-Baden gegen den Tabellenvierten Deizisau und ist ebenfalls klarer Favorit.
Jetzt aber zum Spitzenspiel am Sonntag. Das letzte Aufeinandertreffen endete in der letzten Runde der Vorsaison relativ unaufgeregt mit 3-3, für beide Mannschaften ging es um nichts mehr, und so endeten nach und nach alle Partien mit Remis. Dieses Mal ist natürlich aufgrund der Tabellensituation mit viel mehr Spannung zu rechnen, und beide Mannschaften werden versuchen die stärksten verfügbaren Spielerinnen ans Brett zu bekommen. Während es bei Schwäbisch Hall an den vorderen Brettern vor der Saison keine Änderungen gab und auch am kommenden Wochenende wieder mit einer starken georgischen Achse zu rechnen ist, war die erste Sechs von Baden-Baden diese Saison mit Ausnahme von Alina Kashlinskaya, die ihrem Mann Radek Wojtaszek von Schwäbisch Hall nach Baden-Baden folgte, noch gar nicht im Einsatz, aber die Schwäbisch Haller Mannschaftsleitung ist davon überzeugt, dass sich das definitiv ändern wird. Die beiden indischen Topspielerinnen Divya Deshmukh und Remeshbabi Vaishali sind in wenigen Wochen beim Kandidatenturnier auf Zypern im Einsatz, Divya Deshmukh brachte sich beim Prager Turnier mit Platz 3 im Challenger-Turnier schonmal in Form und ist damit schon in Europa. Dahinter gemeldet ist Exweltmeisterin Alexandra Kosteniuk, die schon seit vielen Jahren für die OSG spielt und mit großer Sicherheit dabei sein wird. Außerdem ist fest mit Dinara Wagner und Josefine Sarfali aus der deutschen Nationalmannschaft zu rechnen, eventuell auch mit Europameisterin Teodora Injac aus Serbien. In Bestbesetzung ist Baden-Baden Favorit, aber Schwäbisch Hall hat immer gut mit dem Rekordmeister mitgehalten und häufig das bessere Ende für sich, und die letzte Meisterschaft der Baden-Badener liegt inzwischen 4 Jahre zurück, was natürlich die Mannschaft noch mehr motiviert, die lange titellose Zeit zu beenden. Es ist ein Match auf Augenhöhe zu erwarten – alle Spielerinnen kennen sich von unzähligen Aufeinandertreffen in Einzel- und Mannschaftsmeisterschaften gut. Bei Sechsermannschaften kann eine einzige Partie den Ausschlag in die ein oder andere Richtung geben. In jedem Fall fällt noch keine endgültige Entscheidung um die Meisterschaft. In den letzten drei Runden ab dem 18. April wartet auf Schwäbisch Hall unter anderem noch Angstgegner Hamburg und auf Baden-Baden Titelverteidiger Bad Königshofen.
Bericht beim Deutschen Schachbund mit Interview mit Ehrhard Steffen und Mario ;einel
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