Frauenbundesliga: Schwäbisch Hall gewinnt Krimi gegen Bad Königshofen

In der zweiten Doppelrunde der Frauenbundesliga waren die Teams aus Rodewisch und Bad Königshofen zu Gast in Schwäbisch Hall. Und den Zuschauern wurde einiges geboten. In allen Partien wurde mit offenem Visier gekämpft, es kam zu einer Vielzahl extrem spannender Partien. Am Samstag gewann Schwäbisch Hall 5,5-0,5 gegen Rodewisch, Bad Königshofen schlug Deizisau mit 4,5-1,5. Spannend wurde es am Sonntag. Nach einem wahren Krimi schlug Schwäbisch Hall den deutschen Meister Bad Königshofen mit 3,5-2,5 und bleibt gemeinsam mit Baden-Baden verlustpunktfrei. Im Parallelspiel trennten sich Deizisau und Rodewisch 3-3, hier ließ Rodewisch einige Chancen für einen Sieg aus.

Zunächst hier erstmal ein paar Fotoeindrücke aus Schwäbisch Hall im Advent.

Runde 3 Samstag, 29.11.2025

Beide Begegnungen gingen am Ende deutlich an die Favoriten, auch wenn nicht alle Partien so eindeutig waren wie die Ergebnisse. Schwäbisch Hall ließ gegen Rodewisch nur ein Remis von Deimante Daulyte-Cornette gegen Martyna Wikar zu. Alle anderen Partien gingen an Schwäbisch Hall. Am Spitzenbrett schlug Meri Arabidze nach einer aufregenden Partie Fiona Sieber, die nach einem couragierten Vortrag eigentlich mehr als eine Niederlage verdient hätte. Auch Andreea Navrotescu bei ihrem Debüt, Lela Javakhishvili, Bela Khotenashvili und Irina Bulmaga, die den Schlusspunkt setzte, gewannen ihre Partien. Bad Königshofen gewann gegen Deizisau mit 4,5-1,5. Die Punkte holte Deizisau vorne: Hanna Marie Klek bewies ihre aktuell gute Form, als sie ihre schwierige Stellung gegen Aleksandra Maltsevskaya zum Remis zusammenhielt, und Zoya Schleining gewann das Generationenduell gegen Jana Schneider im Turmendspiel. Die Bretter 3 bis 6 gingen aber samt und sonders an Bad Königshofen.

An den anderen Spielorten gewann Baden-Baden 4-2 gegen Chemnitz, gab aber überraschend die ersten beiden Bretter mit Elisabeth Pähtz und der EM-Dritten Mai Narva ab. Freiburg holte gegen Kreuzberg die ersten beiden Punkte im Kampf um den Klassenerhalt. In Solingen gewannen die Gastgeberinnen gegen Harksheide, und Hamburg schlug Hemer knapp mit 3,5-2,5.

Runde 4 Sonntag, 30.11.

Am Sonntag fand dann das erste Gipfeltreffen der Saison statt, als Schwäbisch Hall, Meister von 2023 und 2024, auf den letztjährigen Meister Bad Königshofen traf.

Kuchenbüffet am Sonntagmorgen

Beide Mannschaften traten mit derselben Aufstellung wie am Vortag an, hier die Brettpaarungen.

Schon aus der Eröffnung heraus kam es zu aufregenden Partien. Andreea Navrotescu kam mit Schwarz gegen Olga Babiy gut aus der Eröffnung und opferte eine Qualität für das Läuferpaar und Angriff. Nachdem der Damentausch nicht mehr zu vermeiden war, war beiden Spielerinnen die Stellung aber nicht so geheuer, und man einigte sich auf Remis. Insgesamt ein starkes Debüt für die in London lebende Französin in Haller Reihen. Die anderen Partien gingen über die volle Distanz. Die nächste Partie, die endete, war die an Brett 1. Ein Überseher von Meri Arabidze in komplizierter Stellung brachte Aleksandra Maltsevskaya ein gewonnenes Turmendspiel und Bad Königshofen die Führung. Danach endete die Partie zwischen Bela Khotenashvili und Klaudia Kulon mit remis. Klaudia Kulon lehnte ein Remisangebot ihrer georgischen Gegnerin ab und stellte wenig später einen Bauern ein, der Mehrbauer reichte aber im Turmendspiel nicht zum Sieg. Jetzt liefen noch drei Partien. Lela Javakhisvili hatte gegen Jana Schneider früh eine Qualität gewonnen und verwaltete den Vorteil, die Gewinnführung war aber nicht einfach. Deimante Daulyte-Cornette stand die ganze Partie über gegen Karina Cyfka etwas schlechter, am Ende hielt sie aber die Stellung zusammen – remis.

Das wahre Drama spielte sich aber in der Partie zwischen Irina Bulmaga und Anastasia Savina ab, und man fühlte sich an einer Partie zwischen beiden vor fast 10 Jahren erinnert, als Anastasia Savina nach über 100 Zügen ein gewonnenes Endspiel noch zum Verlust vergab und Schwäbisch Hall so insgesamt gewann. In der aktuellen Partie hatte Irina Bulmaga ihre Gegnerin eigentlich überspielt und nach Umwandlung eines Bauern eine glatte Dame mehr, musste aber ihren offen stehenden König in Sicherheit bringen. Und da unterlief ihr ein Lapsus. Auf eins der letzten gegnerischen Schachs zog sie die Dame dazwischen und übersah völlig, dass der gegnerische Spinger mit einer Gabel die zweite Dame gewinnen konnte. Hätte sie einfach den König weggezogen, hätte Savina vermutlich direkt aufgegeben. Dadurch ging die Partie aber nochmal von vorne los. Es war ein Endspiel mit Turm und Bauer gegen Springer. Läufer und Bauer entstanden, der rumänische Bauer war aber gefährlicher als der französische. Und Irina Bulmaga schaffte es tatsächlich, die eigentlich völlig ausgeglichene, aber zugegebenermaßen nicht einfache Stellung zu gewinnen und damit das Match auszugleichen. Es geschieht nicht alle Tage, dass man zweizügig eine komplette Dame einstellt und trotzdem gewinnt. Wenig später machte Lela Javakhishvili den Schwäbisch Haller 3,5-2,5-Sieg perfekt.

Damit steht Schwäbisch Hall verlustpunktfrei auf Platz 2 der Tabelle knapp in Baden-Baden. Baden-Baden gewann auch das zweite Spiel des Wochenendes mit 5-1 gegen Kreuzberg. Freiburg konnte den Schwung aus dem Sieg gegen Kreuzberg nicht mitnehmen und kassierte ein 1-5 gegen Chemnitz.

In Solingen gewannen am Sonntag die Gäste. Harksheide schlug Hemer mit 4-2, Hamburg gewann mit dem gleichen Ergebnis gegen Solingen. Hervorzuheben ist hier die Glanzpartie der erst 15-jährigen Schweizerin Or Shatil bei ihrem Bundesligadebüt-Wochenende gegen Inna Agrest, als sie ein Damenopfer weiter als ihre Gegnerin berechnete und am Ende eine Figur mehr hatte.

Weiter geht die Saison am 21. und 22. Februar 2026, dann wird in Chemnitz, Rodewisch und Baden-Baden gespielt. Am interessantesten ist sicherlich das Aufeinandertreffen von Bad Königshofen und Hamburg. Schwäbisch Hall ist in Chemnitz gegen die Gastgeberinnen und Kreuzberg haushoher Favorit, aber in Runde 2 hat man gegen Hemer ja schon gesehen, dass es auch gegen die Underdogs nicht immer einfach ist.

Bilder vom Samstag

Bilder vom Sonntag

Links und Partien

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