6-2 gegen Mülheim: 1. Mannschaft weiter im Vorderfeld der Bundesliga

Zum Auftakt der 4. Doppelrunde der Schachbundesliga in Dresden ging es für Schwäbisch Hall gegen Mülheim, und es gab gegen einen ersatzgeschwächten Gegner ein klares 6-2.

Gespielt wurde wieder in Meißen bei Dresdens Hauptsponsor UKA, der auch Sponsor der deutschen Nationalmannschaft ist. Entsprechend der Jahreszeit und der Witterung war Meißen ziemlich ausgestorben, der Tourismus, gerade auch der Fahrradtourismus, geht erst im Frühjahr los, also eine gute Entscheidung des Autors in Begleitung des Betreuungsteams der Haller Damen, Freitag zunächst nach Dresden inklusive Semperoper-Besuch (Rigoletto von Verdi) zu fahren, und erst Samstag Mittag pünktlich zu Spielbeginn nach Meißen.

Semperoper Dresden

Frauenkirche mit Kunstinstallation eines syrisch-deutschen Künstlers

Überraschend bot Mülheim nicht seine stärkste Mannschaft auf, sondern trat gerade an den hinteren Brettern mit ihren „Young Guns“ an. Damit wurde natürlich die Haller Vorbereitung völlig ausgehebelt, andererseits war Schwäbisch Hall damit plötzlich an allen Brettern favorisiert.

Mannschaftsfoto (ohne Ernesto - er kam etwas zu spät)

Dagegen trat Solingen gegen ersatzgeschwächte Dresdner (Pavel Eljanow weilt beim Grand Prix, Liviu-Dieter Nisipeanu fehlte auch) mit einer bärenstarken Truppe an: Anish Giri kam zu seinem ersten Einsatz für Solingen. Offensichtlich wurde ein Babysitter fürs Kind gefunden – Ehefrau Sopiko Guramishvili geht morgen gegen Dronavalli Harika ins Schnellschach-Stechen bei der Frauen-WM in Teheran. Dahinter spielte Harikrishna Pentala. Damit wird es am Sonntag für Schwäbisch Hall auf jeden Fall schwer.

Anish Giri

In den ersten Stunden passierte erstmal wenig – nur beim Parallelspiel Dresden-Solingen gewann Österreichs Nummer 1 schnell gegen Jens-Uwe Maiwald, als er in einem Sizilianer einen Läufer auf b5 opferte und die Dame gleich hinterherwarf, die aber nicht genommen werden konnte. Damit war aber die Partie schon nach 14 Zügen vorbei. Auch Anish Giri gewann schnell gegen Grzegorz Gajewski, interessant dann die gemeinsame Analyse beider Spieler nach der Partie.

Analyse: Gajewski, Giri, Ragger, besonders Anish Giri ratterte die Varianten in atemberaubendem Tempo herunter.

Pedrag Nikolic gegen Gernot Gauglitz von UKA

Bei Dresden an Brett 7 übrigens der Chef des Hauptsponsors am Brett, Gernot Gauglitz ist IM mit einer aktuellen Elo von 2394, er wehrte sich lange gegen den erfahrenen Pedrag Nikolic, verlor aber am Ende im Turmendspiel. Dort folgten dann noch vor der Zeitkontrolle 2 Remispartien, während bei Schwäbisch Hall-Mülheim noch alle Partien liefen.

Spielsaal

Währenddessen zerstörte Maxim Matlakov die Bauernstruktur seines Gegners systematisch – die Zuschauer gingen davon aus, der Sieg sei nur noch eine Frage der Zeit.

Maxim Matlakov

Ernesto Inarkiev landete in einem Turm-Läufer-Endspiel mit ungleichfarbigen Läufern und verbrauchte dafür seine komplette Bedenkzeit, hier rechneten die Zuschauer mit einer Seeschlange, da Ernesto sich nicht ins Remis fügen wollte.

Ernesto Inarkiev

Dann nahte die Zeitkontrolle, und wie immer kamen die Entscheidungen zum Großteil für die elostärkeren Spieler. Die Mülheimer Führung durch Youngster Valentin Buckels gegen Frank Zeller hielt nur Minuten, Viktor Laznicka (diesmal mit Skandinavisch anstatt Caro-Kann), Tigran Gharamian und Maxim Matlakov, der sein Turmendspiel sicher heim brachte, sorgten für eine beruhigende 3-1 Führung.

Mathias Womacka schaut schon etwas skeptisch auf Frank Zellers Stellung

Mathias Womacka in typischer Pose, in seiner sächsischen Heimat ist er immer besonders erfolgreich

Auch Mathias Womacka erreichte eine Gewinnstellung aufgrund eines gegnerischen Fehlopfers. Anthony Wirig legte dann zum 4-1 nach. Als nächstes stellte Ernesto Inarkiev seine Gewinnversuche gegen Konstantin Landa ein, nach Turmtausch war gar nichts mehr los. Damit war auch ergebnistechnisch die Entscheidung gefallen. Mathias Womacka erhöhte auf 5,5-1,5. Peter Michalik kämpfte noch lange um den Sieg in einem Turmendspiel mit Mehrbauer, musste sich am Ende aber ins Remis fügen, damit war der Endstand 6-2.

 

Young Guns: Valentin Buckels gewann, weil Frank Zeller die Stellung falsch einschätzte

Peter Michalik versuchte alles, aber es reichte nur zum Remis.

Im Parallelspiel gab es am Ende ebenfalls ein glattes 6-2 für Solingen gegen Dresden.

Hans Meinel, einer der Schlachtenbummler aus Schwäbisch Hall

Am Sonntag geht es wie oben erwähnt gegen den deutschen Meister aus Solingen. Vielleicht gelingt es ja, der Star-Truppe ein Bein zu stellen, der Schlüssel dazu wird sicher an den hinteren Brettern liegen, an denen Solingen nominell deutlich überlegen ist.

Ein Wermutstropfen aus Sicht des Berichterstatters ist, dass nicht alle Anhänger aus Schwäbisch Hall beim gemeinsamen Abendessen mit der Mannschaft erwünscht waren. Diese Differenzen müssen schleunigst ausgeräumt werden, um wieder zu einem Miteinander im Verein zurückzukehren.

Partien aus Dresden:


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